15. Dezember 2021

Der neue Haushalt

Beim Gedanken an unseren Haushalt für das kommende Jahr fällt mir die Geschichte von Josef und dem Pharao aus dem 1. Buch Mose ein. Die Story ist bekannt: Eines Tages hat der Pharao zwei kurz aufeinanderfolgende Träume. Er träumt von fetten und mageren Kühen sowie dicken und dünnen Ähren. Wobei das Magere, Dünne das jeweils Dicke und Fette auffrisst. Josef kommt herbei und deutet dem Pharao die zwei Träume, wobei er nichts Gutes zu berichten hat: Dem Land stehen wirtschaftlich ungute Zeiten bevor.

Freilich, wir hier im Saal benötigen weder Träume noch Traumdeuter, um mit einem Blick auf das zu beschließende Zahlenwerk nüchtern festzustellen: Die fetten Jahre sind vorbei. Unsere größte Einnahmequelle der letzten Jahrzehnte ist wie erwartet im vergangenen Monat versiegt. Die Rücklagen der zurückliegenden starken Jahre schmelzen dahin. Mit dieser Situation müssen wir nun zurechtkommen. Das haben wir schon bei den Vorberatungen zum Haushalt berücksichtigt. Einschnitte waren notwendig und um manche Position wurde hart gerungen. Umso mehr freue ich mich, dass wir auch mit schmalerem Budget gute Kompromisse finden konnten.

Unser Haushalt ermöglicht trotz der schwierigen Lage, ausgewogene Investitionen in vielen Bereichen. Laufende Projekte, wie die Kita Edith-Hecht-Str. sowie die Sanierung des ehemaligen Maria-Stadler-Hauses, also die Salmdorfer Str. 2, sind gesichert. Die dringende Sanierung des Kindergarten St. Konrad packen wir kommendes Jahr an. Gleiches gilt für unseren Gasthof zur Post und unser Bürgerhaus. Hier gilt es vor allem die Haustechnik zu erneuern.

Ebenfalls zu schultern ist die Erweiterung und Sanierung des Ernst-Mach-Gymnasiums. Eingeplant ist auch der Neubau des Jugendfreizeitheims „Dino“. Nicht nur, weil dieser seit vielen, vielen Jahren immer wieder ins Auge gefasst, aber nie realisiert worden ist, sondern weil wir hier den ersten Bau nach den Prinzipien des nachhaltig ökologischen „Cradle-to-Cradle-Konzepts“ bauen wollen. Ein zukunftsweisendes Modellprojekt also, das für das Bauen in unserer Gemeinde völlig neue Impulse setzen soll.

Aber auch anderweitig werden wir trotz schmalem Budget in die Zukunft investieren und sukzessive unsere Digitalisierungsstrategie sowohl für unser Rathaus und die damit verbundenen Dienstleistungen, als auch die Medienkonzepte unserer Schulen umsetzen. Fortführen werden wir auch unsere Bemühungen für mehr Energieeffizienz. Die weitere Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED ist ebenso auf der Agenda, wie die energetische Sanierung der Objekte Vaterstettener Str. 15-19 sowie Freibadstr. 10. Um den Haushalt zu entlasten, werden wir die Realisierung durch unser Kommunalunternehmen Wohnungsbau prüfen. Neu aufgenommen wurde das Projekt Ladestationen für Elektrofahrzeuge im Rahmen des ganz aktuell aufgelegten KfW-Förderprogramms "Kommunen - Flotten & Mitarbeiter". Im Rahmen des Investitionspaktes zur Förderung von Sportstätten sind diverse Maßnahmen geplant. Hier erhofft sich die Gemeinde Zuschüsse in Höhe von bis zu 90 %. Auch kleinere Investitionsvorhaben z.B. in den Bereichen Feuerwehr, Bauhof, Spielplätze und Kindergärten sind eingeplant. An den meistfrequentierten Bushaltestellen wird es zukünftig dynamische Fahrgastinformationen geben. Weitere neue Bushäuschen werden auch aufgestellt. Natürlich fehlt auch nicht die Umsetzung des „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ mit dem Ziel unsere Leibstraße neu zu gestalten und den dringend benötigten Busbahnhof am S-Bahnhof Haar zu realisieren. Alles in allem – trotz Sparsamkeit – ein rundes, ausgewogenes Investitionsprogramm, das wichtige Weichen für unsere Zukunftsfähigkeit stellt.

Dennoch: Mit Blick auf unsere Finanzkraft müssen wir leider feststellen, wir haben das Tal, das sich vor unseren Augen seit längerer Zeit abzeichnete, nun erreicht. Und wäre das Unheil nicht schon groß genug, haben wir noch einen höchst ungebetenen Mitreisenden zu erdulden: Corona. Wie sich dieser heimtückische Reisebegleiter in Zukunft verhalten wird und welch schädliche Auswirkungen seine Anwesenheit noch haben wird. Wir wissen es nicht.

Die kommende Zeit wird also nicht einfach für unsere Gemeinde werden. Aber ich bin zuversichtlich: wir werden dieses unwirtliche Tal auch wieder verlassen. Unsere Gemeinde ist stark, attraktiv und hat so viel zu bieten. Wir alle wissen das. Allen anderen, vor allem zu uns passenden Betrieben, müssen wir das nur noch besser zeigen. Und genau das werden wir tun, denn an Mut, Ideen und Kreativität mangelt es hier nicht.

Zu einem gehörigen Teil sind aber auch wir im Gemeinderat gefordert. Wir werden an einem Strang ziehen müssen. Nur dann kommen wir auch wieder voran. Spielchen und Störfeuer bringen uns nicht weiter. Uns liegt doch alle die Gemeinde am Herzen, deshalb gilt es jetzt zusammenzuhalten. Wenn uns das gelingt, und es liegt an jedem Einzelnen hier im Rat, dann werden wir auch diese schwierige Zeit meistern und uns wieder nach vorn arbeiten.