22. April 2021

Einstimmig für die Papiertonne

Eine Umfrage unter den Haarer Haushalten zeigte: Die absolute Mehrheit der Teilnehmenden hätte gerne eine blaue Tonne. So gab der Gemeinderat jetzt seinerseits einstimmig grünes Licht für die Papiertonne für Privathaushalte. Wer sie haben will, kann sie ab dem 1.März neben die graue und braune Tonne stellen. Verpflichtend wird die blaue Tonne aber nicht sein.

Wer kennt es nicht: Der Altpaperstapel in der Ecke wächst, doch irgendwie schafft man es gerade nicht zur nächsten Wertstoffinsel oder zum Wertstoffhof, um die ausgelesenen Zeitungen, die Kartonverpackung der letzten Bestellung oder die Werbezettel aus dem Briefkasten zu entsorgen. Offenbar findet deshalb der Wertstoff Papier oft den Weg in die Restmülltonne – doch dafür ist er tatsächlich zu wertvoll.

Papiersammelquote in Haar verbesserungswürdig

In Haar scheint das sogar noch öfter der Fall zu sein, als in den anderen Landkreisgemeinden: Hier sammelt jede*r einzelne Bürger*in 72,7 Kilo Altpapier pro Jahr – und das liegt sogar unter dem Landkreis-Durchschnitt (78,6 Kilo pro Kopf). Dafür ist die Restmülltonne in Haar deutlich voller als im Landkreisdurchschnitt (Haar 156,10 Kilo pro Kopf, Landkreis um die 140 Kilo pro Person). Bedeutet: Der Wiederverwertung entgehen im Durchschnitt 125 Tonnen Papier und der Gemeinde Haar damit Einnahmen in Höhe von etwa 13.000 Euro.

Ökobilanz

In dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt ist das Plus für die Umwelt. Denn während bei der Produktion von neuem Papier 50 Liter Wasser und 5 kw/h Energie pro Kilogramm (ca. 200 Blatt) eingesetzt werden müssen, werden für die gleiche Menge Recyclingpapier lediglich 16,5 Liter Wasser und 2,5 kw/h Energie verbraucht.

Was kostet die blaue Tonne?

Haars Umweltreferent Andreas Nemetz hat neben der Ökobilanz auch eine Kostenbilanz für die Gemeindebürger*innen aufgemacht. Zunächst erscheint die Papiertonne nicht separat auf der Müllgebührenabrechnung. Sie wird in die Müllgebühren einkalkuliert – genauso wie die Biotonne mitsamt Reinigung, die Wertstoffinseln mitsamt Reinigung und der Betrieb des Wertstoffhofs. Die fixen Kosten der blauen Tonne kann man aber herausrechnen: Für die vorgesehen zweiwöchige Leerung der 120- und 240-Liter-Tonnen müssten jährlich etwa 60.000 Euro bezahlt werden. Gegenrechnen lassen sich zum einen die zu erwartenden sinkenden Kosten bei der Reinigung der Wertstoffinseln sowie die zu erwartenden höheren Einnahmen durch die steigenden Sammelmengen beim Altpapier. Wie viel das sein wird, kann nicht genauer beziffert werden. Auch, weil der Altpapierpreis einer der wankelmütigsten im ganzen Wertstoffbereich ist – aber trotzdem sehr ausschlaggebend bei der Müllgebühr-Kalkulation der Gemeinde Haar.

Müllgebühren steigen – Papiertonne nicht ausschlaggebend

Nicht verschwiegen werden darf, dass die Müllgebühren ab 2022 in Haar mit großer Wahrscheinlichkeit steigen werden. Das liegt aber nur im allergeringsten Teil an der Einführung der Papiertonne, sondern vielmehr daran, dass die Müllabfuhr für alle Tonnen neu ausgeschrieben werden muss. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dies mit einem günstigeren Angebot als jetzt enden wird, geht nach Einschätzung der Verwaltung gegen Null.

Im März geht’s los

Die Papiertonne wird im März 2022 eingeführt – wer sie nicht sofort haben will, kann sich auch später jederzeit eine blaue Tonne sichern. Oder sie auch wieder abbestellen. Die Papiercontainer an den Wertstoffinseln und im Wertstoffhof bleiben selbstverständlich trotzdem erhalten.