11. Oktober 2021

Genossenschaftliches Wohnen in Haar

Miteinander füreinander Bauen

2925 Quadratmeter misst das gemeindliche Grundstück an der Johann-Strauß-Straße 1-5. Die Gemeinde Haar wird es per Erbpacht dem genossenschaftlichen Wohnungsbau zur Verfügung stellen – so wurde es mehrheitlich vom Gemeinderat beschlossen.  Etwa 30 Wohnungen könnten hier entstehen. Welche Genossenschaft den Zuschlag bekommt, das entscheidet letztlich der Gemeinderat. Gerne würde man es im Gremium sehen, wenn sich eine eigene Haarer Genossenschaft bildet. Bei der Infoveranstaltung zum Thema war das Interesse groß: Etwa 200 Interessierte hörten zu – online und direkt im Bürgersaal.

Schon im Vorfeld erreichten die Gemeinde Anfragen wie: Wie groß werden die Wohnungen sein? Wo kann man sich anmelden, wenn man dort mieten will? Wie viel wird der Quadratmeter kosten? Doch all die Fragen kann die Gemeinde nicht beantworten. Denn: Sie stellt nur das Grundstück „zur Verfügung“ – ansonsten ist es einzig und allein an den Haarerinnen und Haarern, aktiv zu werden. Denn: beim genossenschaftlichen Wohnungsbau sind die künftigen Bewohner*innen auch die Akteure. Sie schließen sich zusammen, sie entwerfen ein Konzept für das Haus, sie planen, sie geben Geld, bauen miteinander und füreinander und entscheiden schließlich, wer zu welchen Konditionen dort im Musikerviertel einziehen kann. Wenn man es genau nimmt, ist es wie ein eigener Hausbau – nur in der Gruppe. Die Gemeinde gibt nur ein paar Rahmenbedingungen vor. Beispielsweise, wie groß der Anteil an Haarer Bürgerinnen und Bürger sein muss, die dort Wohnraum finden. Oder wie hoch die Miete pro Quadratmeter sein soll. All das wird im Erbpacht-Vertrag festgeschrieben.

Ein kreatives Konzept
Ein wenig Kreativität ist bei den künftigen Gesellschaftern auch gefragt, denn die Vergabe des Grundstücks ist konzeptbezogen. Das bedeutet: Nicht die Genossenschaft, die am meisten Geld mitbringt, bekommt den Zuschlag, sondern die mit den überzeugendsten Wohn- und Lebensideen. Es könnte zum Beispiel ein besonderes Mobilitätskonzept im Haus verfolgt werden, etwa mit Car-Sharing oder einem E-Bike-Pool, gemeinsame Lastenräder oder ähnlichem. Damit würde man nicht nur den Leitlinien der Gemeinde entsprechen, sondern sogar die Kosten für den Hausbau senken – denn gerade große Tiefgaragen sind auch große Geldinvestitionen.  Aber auch die Nachhaltigkeit im Bau, Inklusionsgedanken, besondere Gemeinschaftsprojekte und –räume oder ähnliches können in ein Konzept gegossen werden. Welches Konzept am Ende das Rennen macht, das entscheidet der Gemeinderat.

Gemeinnützigkeit statt individuelle Gewinne
Das Gute ist, dass solch ein Genossenschaftskonzept keine „Glücksritter“ auf den Plan bringt – wie sie gerade im Immobiliensektor häufig anzufinden sind. Es geht vielmehr um Gemeinnützigkeit. „Der Vorteil der Genossenschaft ist, dass der Grund und Boden der Spekulation entzogen wird, die Genossenschaftsmitglieder keine individuellen Gewinne aus einem gemeinsam geschaffenen Vermögen ziehen“, erklärte  Christian Stupka von der GIMA München, auf dem Informationsabend. Wer einsteigen möchte, der erwirbt Genossenschaftsanteile. Wer in eine Wohnung zieht, der bekommt keinen Mietvertrag sondern einen Dauernutzungsvertrag und kauft je nach Wohnungsgröße Anteile an der Genossenschaft. Trotzdem wird ein monatliches Nutzungsentgelt (ähnlich einer Miete) fällig. Dieses jedoch ist deutlich geringer als auf dem freien Markt und soll auch im Laufe der Jahre nicht steigen. Die Wohnungsgrößen können je nach Bedürfnis und Lebenslage auch mal getauscht werden – auch das ist Bestandteil der Solidargemeinschaft. Wer auszieht oder aussteigen will, der kann das – und bekommt seine Anteile zurück.

An wen richtet sich der genossenschaftliche Wohnungsbau?
Diese neue Facette auf dem Haarer Wohnungsmarkt ist für Menschen mit mittlerem Einkommen und ein wenig Erspartem optimal: Sie finden auf dem normalen Wohnungsmarkt kaum für sie bezahlbaren Wohnraum, doch die Kriterien für Gemeindewohnungen erfüllen sie auch nicht. Dafür verdienen sie dann doch zu gut. Durch den Genossenschaftsbau wird genau ihnen erschwingliches, lebenslanges Wohnen möglich. Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski betitelt das genossenschaftliche Wohnen als „Eigenheimer-Modell des 21.Jahrhunderts“.

Jetzt sind die Haarerinnen und Haarer dran!
Als erstes müssen sich jetzt aber genügend Haarer Bürger*innen finden, die eine Genossenschaft gründen und gemeinschaftlich bauen wollen. Vernetzt werden diese zu Beginn noch über die Gemeinde: Hier werden die Kontaktdaten gesammelt und dann unter den Interessenten ausgetauscht.

Bei Interesse oder Fragen melden Sie sich bitte beim Bauamtsleiter Josef Schartel unter 089 460 02 320 bzw. per Mail unter genossenschaft@gemeinde-haar.de

Anbei finden Sie die Präsentationen des Infoabends am 7.Oktober, zu dem Bürgermeister Andreas Bukowski einige Experten eingeladen hatte: Neben Bauamtsleiter Josef Schartel waren auch Christian Stupka von der Gima München eG, einer Dachorganisation von Wohnungsbau-Genossenschaften, und Katharina Winter von der Mitbauzentrale München.

 

Vorträge und Kontaktformular zum Download:

Kontaktbogen Genossenschaftliches Wohnen

Präsentation Gemeinde Haar Bauverwaltung Schartel

Präsentation Konzeptvergabe Mitbauzentrale

Präsentation GIMA

Beschlussauszug des Gemeinderat vom 14.09.2021

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