04. August 2021

stationär statt mobil

Luftfilteranlagen für die Schulen und Kitas - Gemeinderat entscheidet sich für die große Lösung

Die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sowie deren bestmögliche Bildung, die vor allem durch das Offenhalten der Schulen gewährleistet wird, sind dem Haarer Gemeinderat sehr wichtig. Trotzdem entschied sich das Gremium mit zwei Gegenstimmen gegen die Anschaffung mobiler Luftfilteranlagen für die Schulen und Kitas. Die Begründung der Mehrheit: Die Maßnahmen für den Infektionsschutz müssen auch sinnvoll sein, denn mobile Lüfter garantieren keine Schulöffnung

Nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die Kommunen in die Pflicht genommen hat, sämtliche Klassenräume bis zum Herbst mit mobilen Luftfiltergeräten auszustatten, ist die Diskussion bayernweit laut geworden.

Geringe Förderung, keine gesicherte Lieferung, keine Zufriedenheit
Die Förderung pro Raum von maximal 1.750 Euro lässt große Kosten in Höhe von 8.000 Euro pro Raum bei der Gemeinde Haar, hochgerechnet sind das 1,5 Millionen Euro für 500 benötigte Geräte. . Wartung und laufender Betrieb werden gar nicht gefördert. Hinzukommt, dass es keine zentrale Beschaffung gibt und jede einzelne Kommune gesetzeskonform ausschreiben muss. Die technischen Anforderungen an die Geräte sind hoch und eine gesicherte Lieferung rechtzeitig zu Schulbeginn, ist definitiv unter diesen Umständen nicht möglich. In der Verwaltung rechnet man mit einem Liefertermin nicht vor dem Frühjahr nächsten Jahres. Zudem hat sich Haars Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski in anderen Kommunen umgehört. „Nur wenige Gemeinden, die bereits mobile Geräte angeschafft haben, sind zufrieden mit ihrer Anschaffung. Die Geräte sind durchwegs zu laut und es muss trotzdem weiterhin gelüftet werden“, sagt er.

Keine mobilen Geräte, dafür stationäre Lüftungsanlagen
So hat sich der Haarer Gemeinderat nach Abwägung aller Argumente in seiner Sitzung vom 27.07.2021 mehrheitlich vorläufig gegen den Einbau von mobilen Luftfilteranlagen in unseren Schulen ausgesprochen. Jedoch wurde die Verwaltung beauftragt, die mittelfristige Anschaffung von festinstallierten stationären Lüftungsanlagen mit Frischluftzufuhr zu prüfen.

Unpopuläre Entscheidung, dennoch begründet
Natürlich versteht man auch in Haar den Anspruch, den die Eltern jetzt an die Politik bezüglich des Schutzes ihrer Kinder haben. Und man ist sich bewusst, dass die Kinder sich lange in Verzicht und Rücksichtnahme üben mussten. Da fiel die Entscheidung nicht leicht. Doch das Gremium hatte seine Gründe.

Nur ergänzende Maßnahme
Hier einige davon: Bislang gelten Filtergeräte nur als eine ergänzende „Maßnahme“ zu den gängigen Hygieneregeln. Maskenpflicht  und konsequentes Lüften mittels Fensteröffnung bringen nachgewiesenermaßen viel mehr und müssen weiterhin aufrechterhalten werden. Die mobilen Geräte liefern keine Frischluft.

Fehlende Zusagen vom Kultusministerium
Leider fehlt bis heute auch jede Aussage des Kultusministeriums,  dass Schulen, die  mobile Filteranlagen im Einsatz haben, auch bei steigenden Infektionszahlen auf jeden Fall geöffnet bleiben. Auch wurde bislang nicht festgelegt, dass mit den Filtern die Quarantänemaßnahmen bei möglichen positiven Fällen im Klassenverband ausgesetzt bzw. verkürzt werden können.

Keine großen Infektionsgeschehen an Schulen
Dazu kommt, dass in den Klassenräumen bislang kein großes Infektionsgeschehen stattgefunden hat. Natürlich wurden in den Schulen einzelne positiv getestete und auch erkrankte Schülerinnen und Schüler gemeldet. Die Kontaktpersonen wurden in Quarantäne geschickt – und in keinem dieser Fälle war eine große Verbreitung des Virus an der jeweiligen Schule oder auch nur im Klassenverbund festgestellt worden. Die Ansteckungen passierten auch bei den Jüngeren nahezu ausschließlich im privaten Umfeld, dort wo erfahrungsgemäß die Hygienemaßnahmen nicht mehr ganz so strikt eingehalten werden.

Überprüfung aller Möglichkeiten
„Seien Sie versichert, wenn diese mobilen Lüftungsanlagen DAS Mittel der Wahl wären, um die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen zu schützen, dann würden wir das nötige Geld selbstverständlich ausgeben – notfalls auch mit Hilfe  eines Kredits. Wir haben uns im Gemeinderat jedoch darauf geeinigt, wirklich alle Möglichkeiten, um unsere Kinder optimal zu schützen, zu überprüfen“, erklärt Bürgermeister Bukowski.

Förderantrag gestellt
Vorrangig stellt die Gemeinde Haar nun noch einen Förderantrag für festinstallierte Lüftungsanlagen in den Schulen, denn mit ihnen wälzt man die Luft in den Räumen nicht nur um, sondern bringt auch Frischluft mit in die Zimmer. Eine deutlich aufwändigere Umbaumaßnahme, die man in Haar aber als durchaus lohnenswert und zukunftsweisend sieht.

„Die fehlende Sicherheit hinsichtlich des Liefertermins, der wissenschaftlich nachgewiesenen vorrangigen Wirksamkeit und vor allem der garantierten Schulöffnung sind die Hauptgründe für unsere Entscheidung gegen die mobilen Filter“, sagt Andreas Bukowski. „Reiner Aktionismus bringt uns nicht weiter – wir wollen die beste Lösung für Ihre Kinder.“